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Dani plus Sahne Part 1

Ohgottohgott...da sitzt er auf der Couch neben Lara und weiß von nichts.

ALYOSHA!!

Ich liebe ihn. Ich bete ihn an.

ALYOSHA!!

Wahnsinn ist das ein schöner Mensch. Selbst wenn ich nicht bis über beide Ohren verliebt

wäre...er ist der schönste Mensch, den ich bis jetzt gesehen habe. Perfektes Strahlelächeln, dunkelblonde Locken, die ihm ständig ins Gesicht hängen...in graublaue Augen...wahnsinnig lange Wimpern, hinreißender Schmollmund. Das Beste an ihm ist allerdings seine Figur...sein niedlicher Bauch, die weich aussehenden Arme und er hat eine so sagenhafte Sahnehaut, die jetzt in der trüben Partybeleuchtung leicht vanillecremig schimmert, dass man augenblicklich seine Zunge darüber gleiten lassen möchte. Gott...und wie nett der ist. Immer. Zu allen. Selbst zu einem kleinen, schrägen Vogel wie mir! Manchmal denke ich, ich verdiene es gar nicht, dass so ein schöner Mensch überhaupt mit mir spricht.

ALYOSHA!!

Hat er nicht auch schon einen unglaublich tollen Namen?! Ich heiße, langweiliger geht es wohl nicht, Daniel. Hieße ich Alyosha wär ich der glücklichste Junge des Universums.

Nein...wäre Alyosha mein Freund, wär ich glücklich. Leider lebe ich nicht im Wunderland, wo sich so ein Mensch für mich interessiert. Ich wüsste schrecklich gerne, für wen ER sich interessiert...eine Freundin hat der nämlich nicht, obwohl wirklich ALLE Mädchen ihn anhimmeln. Lara, besagte Momentan-Sitznachberin, ist auch scharf auf ihn. Er behandelt sie nett und freundlich. Kein Flirten, nicht einmal ein Zwinkern, was merkwürdig ist, weil er andauernd zwinkert. Vielleicht hat er ein Augenproblem?!

 

„Hey...Dani, komm doch her."

Au weia. Ich soll mich zu dieser Lichtgestalt gesellen?! Hab ich meine Ohren gewaschen? Halbwegs frischen Atem? Sind meine Haare auch nicht fettig, die Klamotten nicht speckig?

Nee, ich glaube, ich bin ganz annehmbar. Selbstverständlich nicht so wundervoll und perfekt wie er...eben einfach nur ich, Daniel.

Ich lasse mich also neben den beiden nieder und versuche, ungezwungen zu lächeln.

Hauptsache, das sieht freundlich aus und nicht horrorartig...sowas passiert mir nämlich ständig. Will Alyosha anlächeln, aber heraus kommt eine Zombiefresse, die bequem in jeden Gruselfilm passen würde.

„Was stehst’n da so alleine rum?", fragt er.

„Weiß nicht, dachte, ich würde euch vielleicht stören", stottere ich mir einen dranlang.

„Stören?" Lara rümpft ein wenig die Nase. „Wie kommst‘n darauf?"

Ich kann nicht antworten, weil Alyosha grad neben sich in die Süßigkeitenschale gegriffen

hat und nun an einer rotweißen Zuckerstange nuckelt. Gott...wieso macht’n der sowas? Mein Herzschlag setzt doch eh schon aus, wenn ich nur in seiner Nähe bin.

„Wow...wo hast’n den her?" Er beugt sich zu mir rüber und friemelt an meinem silbernen Fischgrätenohrring.

Mir wird heiß und kalt und kalt und heiß. Bestimmt schwitze ich wie bekloppt. Ich greife mir

verstohlen an die Stirn...sie ist zum Glück trocken.

Alyoshas Finger berühren mein Ohrläppchen und ganz zart die Haut dahinter. Ich wage kaum zu atmen. Will der mich umbringen?

„Äh...vom Flohmarkt."

Er lächelt. „Süß... kuck mal, Lara."

Lara kuckt und nickt. „Ja, sehr hübsch", entgegnet sie gelangweilt.

Ich glaube, Lara mag mich nicht.

„Mann und dein Engelshirt...total geil, Lara...kuck doch mal", kiekst er drauflos.

Ob der was dagegen hat, wenn ich mich mal kurz an seinen göttlichen Speck schmiege?

„Ja, sehr hübsch", wiederholt sie.

Seine Finger streichen über meine Brust. „Das ist ja ganz weich", ruft er überrascht, „mh, sieht gar nicht so aus. Ich meine, so bedruckte Sachen...äh...Lara...kuck doch mal."

Hä? Was ist denn heute mit dem los? Hat der Blödpillen geschluckt, die ihn jeden Satz dreimal sagen lassen?

„Sag mal, Sahne, hast du Blödpillen geschluckt?", fragt Lara, die mir unheimlich ist, weil sie anscheinend Gedanken lesen kann. Und wieso überhaupt SAHNE??

„Warum?"

Sie schüttelt ihre blonde Lockenmähne. „Schon okay", lächelt sie und tätschelt gutmütig seinen Bauch, der ziemlich in Wallung gerät, worauf ich noch ziemlicher in Wallung gerate. „Ich glaub, ich werd dann mal sehen, ob ich Tine finde."

Schwupps, weg ist sie und zwischen mir und Alyosha, dem Sahnigen, klafft eine Sitzlücke.

Muss ich jetzt näher rücken? Nee, ich trau mich nicht und er bleibt ja auch sitzen.

Krampfhaft starre ich auf meine Hände, die ich aus Nervositätsgründen zwischen meine

Schenkel geschoben habe. Wenn mir bloß wieder einfallen würde, wie man spricht. Hab das nämlich mal gelernt.

„Dani?"

Mein Kopf schnellt nach oben. „Ja?"

„Was...was hast’n in der Deutscharbeit?"

„Oh...ähem...eine zwei. Und du?"

„Ich auch", lächelt er debil.

Also irgendwas stimmt mit dem nicht. Vielleicht was Falsches gegessen. Könnte an der

Schleckstange liegen. Zu viel Zucker soll ja ungesund sein...für die Zähne. Seiner wunderhübschen Figur würden noch mehr Süßigkeiten ganz sicher nicht schaden!

Er leckt sich die Lippen, schaut umher und dann wieder mich an. „Und...und in... Englisch?"

„Eins."

„Ich auch...oh, möchtest du?" Er hält mir seine angenuckelte Zuckerstange hin.

Ich muss schwachsinnig albern giggeln. „Deine...oder krieg ich eine neue?"

Alyoshas Wangen bekommen einen rötlichen Schimmer. „Oh...hihi...entschuldige."

„Macht nichts und...nein, ich möchte keine, danke."

Gott...SEINE hätte ich doch sofort genommen. Oder warum hat er mich nicht gleich gebeten, ihn mit Weingummifröschen und Eisküsschen zu füttern?!

„Sag mal", beginne ich nach einer peinlichen Schweigeminute, „wieso eigentlich Sahne?"

„Hä? Wie, was, Sahne?" Er scheint verwirrt.

„Ich meine, warum sagt Lara Sahne?"

„Ihr Spitzname für mich. Weil ich total heiß auf Sahne bin."

Hmpf...bin ebenfalls heiß auf Sahne, echt, heißer geht’s nicht.

„Lara kauft immer diese Puddingbecher...du weißt schon, die Schokoladenteile mit Sahne drauf, und ich esse halt nur die Sahne da runter...deshalb nennt sie mich so und außerdem sagt sie immer, dass ich so eine...äh..."

„So eine was?"

Seine Wangen sind dunkelrot geworden. Mann ist das süß!!!

„Naja, sie sagt immer, ich hätte eine Sahnehaut. Ich find das aber nicht", haspelt er schnell

hinzu.

Also ICH finde das schon. Und wie! Leider wird mir aber auch mehr und mehr klar, dass

Lara schwer in Alyosha verliebt ist. Wieso teilen die sich wohl sonst Puddingbecher? Und wenn die ihm solche Sachen sagt, ist da bestimmt was zwischen den beiden.

„Stell dir mal vor, wir beide wären zusammen", kichert er, „dann wären wir Dani plus Sahne...hahaha..."

Okay. Das war’s! Er macht sich über ein eventuelles Zusammensein mit mir lustig. Deutlicher

geht’s wohl nicht. Ich will nach Hause und in mein Kissen weinen!

„Hallo...das war ein Scherz, Daniel. Natürlich will ich nicht mit dir...ich meine...äh...du

weißt schon, was ich meine", stottert er.

„Ja", sage ich mit gesenktem Kopf.

 

Lara kommt zurück. „Oh...ihr habt mir meinen Platz freigehalten."

Hörte ich da einen merkwürdig ironischen Unterton?? Egal, mir ist elend, ich will weg hier,

versuche also aufzustehen. Alyosha starrt mich gehetzt an.

„Wohin willst du?"

„Nach Hause", erkläre ich mit, zum Glück, relativ fester Stimme.

„Jetzt schon? Ist doch noch total früh."

„Ich finde die Party langweilig. Die meisten sind eh besoffen oder knutschen sich dumm und dämlich."

„Danke, Daniel. Das wollte ich schon die ganze Zeit sagen."

„Wir könnten doch noch woanders hin", schlägt die sahnige Lichtgestalt vor.

„Könnten wir?", zischelt Lara.

Alyosha nickt und stupst sie an.

„Wohin denn?"

Noch ein Stupser.

„Äh...Sahne, wieso gehen wir nicht zu dir?"

Ach du Heimatland! Ich bei der Sahneschnitte zuhause?! „Ich bin echt müde."

„Ich eigentlich auch", stimmt Lara zu und wird schon wieder gestupst.

Was zur verdammten Hölle ist mit Alyosha los?? Vielleicht ist das nur ein Alien, in seiner

Gestalt?!

Lara seufzt. „Also, Daniel, lass uns zu Sahne gehen...was meinst du?"

„Ich weiß nicht", antworte ich unbehaglich, weil ich langsam echt ein bisschen Angst kriege.

Die beiden tauschen merkwürdige Blicke.

„Komm schon, ich würde mich echt freuen", drängelt sie.

Man könnte fast meinen, die würde sich für mich interessieren und nicht für den Göttlichen

neben ihr. Aber das kann ja gar nicht sein.

„Okay, von mir aus", stimme ich dann doch zu.

„Halleluja", ruft Lara gen Himmel, Alyosha strahlt und ich weiß wirklich nicht, was ich von dem Abend halten soll.

 

Eine halbe Stunde später macht Sahne seinem Namen alle Ehre. Der hängt nämlich auf seinem Bett und löffelt Schokopudding...das heißt, natürlich nicht den Pudding.

Ich weiß ja nicht, wieso ich hier bin. Lara anscheinend auch nicht, sie sieht sehr gelangweilt aus.

„Mann, ich hab echt keinen Bock, dir noch länger beim schlecken zuzuschauen", stöhnt sie.

Also ICH schon. Ich könnte tagelang, wochenlang zusehen! Ups...aber wenn sie nun nach

Hause geht...mit ihm allein sein, will ich nicht. Da kriege ich sofort einen Schwächeanfall.

„Also, wenn du gehen möchtest, bleibe ich auch nicht mehr."

Au je, das hat sich jetzt total scheiße angehört. So nach: ich folge dir, wohin du gehst, und

küsse den Boden, auf dem du wandelst.

Alyoshas Augen sehen plötzlich sehr sehr traurig aus. Keine Ahnung, was das bedeutet.

„Wir...wir könnten einen Film schauen", schlägt er vor, worauf Lara gähnt.

„Hast du’s nicht noch aufregender?"

„Film schauen klingt doch super", sage ich schnell.

„Na toll. Wisst ihr, was wir machen? Ich gehe und Daniel bleibt hier, ja?"

„NEIN", rufen Alyosha und ich gleichzeitig.

Er mag nicht mit mir allein sein. Naja, wieso auch?? Mir wird wieder einmal klar, dass Alyosha wunderschön ist und ich ein Freak bin, den keiner bei sich haben möchte.

Blitzschnell schnappt Lara ihre Jacke, ruft uns ein „Tschüß" zu und verschwindet durch die

Tür.

Mir bricht Panikschweiß aus. Aus sämtlichen Poren dringt er, bildet auf meiner Haut kleine Rinnsale und läuft bis wer weiß wohin...jedenfalls fühlt es sich so an. Die Temperatur hier muss ungefähr bei fünfzig Grad liegen. Alyosha löffelt verbissen seinen, ich weiß nicht wievielten, Pudding...die Sahne ist schon weg. Ich könnte mich nun auch so schnell verpissen wie Lara...oder bleiben. Bei der Vorstellung, letzteres zu tun, wird mir kribbelig und schwächlich im Gebein. Obwohl es total still im Zimmer ist, lärmt es in meinen Ohren orkanartig. Es rauscht und klingelt, sirrt und pfeift. So laut, dass mir fast schlecht wird davon.

„Tja", sage ich und klatsche mit den Händen kurz auf meine Beine.

„Tja, mh...", sagt Alyosha und kratzt den blöden Becher aus, merkt, dass nichts mehr drin ist, stellt ihn weg und steckt sich ein Karamellbonbon in den Mund.

„Mh mh mh", mache ich und lasse meine Augen im Zimmer umherwandern, um ihn nicht anschauen zu müssen. Viel erkenne ich eh nicht, weil alles so komisch flackert und ich helle Pünktchen sehe.

„Tja...", sagt Alyosha nochmals.

Er sitzt jetzt genauso blöd auf der Bettkante wie ich. Die Jeans spannt an seinen Beinen. Mann sieht das gut aus! Nervös scharre ich mit meinem einen Fuß und stoße prompt ein Glas Wasser um.

„Ach du Scheiße", brülle ich panikartig, springe auf, hocke mich auf den Boden und wische mit dem Ärmel meines Shirts das Wasser auf.

Alyosha hat einen Lappen gefunden und hockt sich neben mich.

„Au ja...damit geht es besser", murmele ich und wische. Das heißt...eigentlich wischen wir zusammen. Als ich nämlich nach dem verdammten Lappen greife, greife ich auch nach seiner Hand, weil er den verfickten Lappen einfach nicht los lässt.

Ist der vielleicht bescheuert??

ARGH...hat der weiche Finger!!! Ich will sie sofort küssen. Jeden einzelnen. Mache ich aber

nicht. Ich sehe ihn stattdessen an und er sieht mich an. Ich bin verloren. Seine Augen sind

knisternd. Glänzen und glitzern wie Eiskristalle im Sonnenlicht. Ob man spontan den Verstand verlieren kann, nur weil man jemandem in die Augen schaut?

Alyoshas Gesicht ist meinem so nah, dass ich seinen Atem spüre und seine Haare riechen

kann. Sie duften ganz schwach nach Honig. Mein Körper kribbelt, da müssen ganze Schmetterlingsarmeen in mir drin sein.

Sein Blick fällt auf unsere Hände, hastig zieht er seine weg und setzt sich wieder aufs Bett.

„Macht nichts", sagt er. „War ja nur Wasser."

„Hm-hm", antworte ich, erhebe mich und weiß nicht, was ich tun soll. Gehen? Bleiben?

Was ist ihm lieber? Ich sollte verschwinden, bevor mir noch peinlichere Sachen passieren.

„Setz dich."

Hops...da hab ich mich spontan zum Bleiben entschieden.

„Tut mir echt leid...ich bin immer so ein Trampel", erkläre ich auf den dunklen Fleck

deutend.

„Macht nichts", wiederholt er. „War ja nur..."

„Wasser", vervollständige ich. „Kucken wir jetzt den Film?"

„Welchen Film?", fragt er wirr. „Ach so...ja, klar. Wenn du magst."

„Worauf hast du denn Lust?"

„Auf dich...", er wird knallrot, „äh...ich meine...es kommt auf dich an. Was willst du sehen?"

Dich...mit nichts als Knutschflecken von mir am Leib!!„Ist mir egal."

„Lustig, traurig oder gruselig?"

„Gruselig", entgegne ich bestimmt.

„Interview mit einem Vampir?"

„Der ist doch nicht gruselig."

„Naja...nee", stimmt er dümmlich zu. „Wie wär’s mit Dracula?"

Der hat ja überhaupt keine Ahnung, wie und wobei man sich angenehm gruselt. „Hast du Shining?"

„Ja, aber...puh...der ist mir immer zu...ich krieg da echt Albträume von."

OHHHHHHHHHH...ist der SÜÜÜÜÜÜÜÜSSSS !!!!!


Part 2



Source: http://www.handlesforlove.de.vu/
Category: Realistisch | Added by: existimator (2012-08-18) | Author: Chelsea
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